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Buchveröffentlichung Heide Rohloff (Hg.): Geschichte der privaten Wohltätigkeit und Sozialgesetzgebung in England und Deutschland

Mit Beiträgen von: Karl Baur, Herta Gödker, Michael Keller, Manfred Lemke, Berthold Reinschmidt, H. N. Rohloff und Hans-Joachim Vogler

Die Reformation brachte in England, Deutschland und anderen Territorien Europas eine grundlegende Veränderung der Einstellung zur Armut und zu dem wachsenden Heer der im Lande umherziehenden Bettler mit sich. Fortan wurde zwischen „würdigen“ und „unwürdigen“ Armen unterschieden. Nur die „würdigen“ Armen, die Kranken, Alten, Schwachen und Gebrechlichen sollten Unterstützung erhalten, während die arbeitsfähigen, jungen und gesunden Bettler als „unwürdige“ Arme galten und als arbeitsscheue Vagabunden zu bestrafen waren.

Die Industrialisierung stellte die meist den Kirchengemeinden übertragene Armenpflege ebenso wie Staat und Obrigkeiten vor schier unlösbare Probleme. Der Zustrom von Arbeitssuchenden in die neuen Industriezentren, niedrige Löhne, Frauen- und Kinderarbeit, menschenunwürdige Verhältnisse in den rasch aus dem Boden gestampften Arbeiterquartieren, Seuchen infolge mangelnder Hygiene, soziale Entwurzelung, Kriminalität, rigorose Arbeitsdisziplin und fehlende Sicherheitsstandards in den Fabriken brachten völlig neue Notlagen mit sich und lösten in England eine beispiellose Welle privater Wohltätigkeit aus, lange bevor die philanthropische Bewegung, Arbeitervereine und Reformer im 19. Jahrhundert die ersten Fabrikgesetze erzwangen. In Deutschland, wo die Industrialisierung deutlich später einsetzte, entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die großen, noch heute existierenden Wohlfahrtsverbände. Die Furcht vor dem Einfluss der Arbeiterbewegung gab um einiges später den Ausschlag für die Bismarcksche Sozialgesetzgebung (1881-88). In der Folgezeit beschreitet England den Weg zum Wohlfahrtsstaat, in Deutschland bildet sich der Sozialstaat und in der späteren Bundesrepublik die soziale Marktwirtschaft heraus.

Angesichts des globalen Wettbewerbs wirbt in jüngster Zeit in den Industrienationen des Westens das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) für eine neue Unternehmenskultur. Inwieweit CSR auf Beispiele früheren fortschrittlichen Unternehmertums und die Werte privaten sozialen Engagements zurückgreift oder andere Prämissen setzt oder lediglich
Brancheninteressen dekoriert, wird im letzten Teil des Buches diskutiert.

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